Rainer de Biasi, GTÜ: „Jährlich erkranken in Deutschland 6.000-10.000 Menschen an Legionellen – die Dunkelziffer liegt höher.“
Hauptgefahrenquellen für Legionellen-Erkrankungen sind Privathaushalte mit knapp 47 Prozent und Hotels mit rund 30 Prozent; alte Leitungssysteme stellen 60 bis 70 Prozent der Krankheitsursache dar
Stuttgart, 10. Februar 2010. Die jüngste Legionellen-Infektionen im Raum Ulm/Neu-Ulm mit fünf Toten und über 60 Infizierten zeigt, dass mangelnde Wasserhygiene eine oft unterschätzte Gefahr darstellt. Dabei droht nicht allein Gefahr von unzureichend gewarteten Kühlanlagen und Kühltürmen großer Betriebe, sondern auch bei Hausinstallationen. Denn steht Wasser längere Zeit in Trinkwasserleitungen, besteht das Risiko krankheitserregender Keimbildung – es können sich Legionellen ansiedeln. Laut Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erkranken deutschlandweit jährlich 6.000 bis 10.000 Menschen an einer Legionellen-Infektion, etwa 1.000 bis 2.000 sterben. „Dies sind nur die statistisch erfassten Zahlen“, erklärt Rainer de Biasi, Geschäftsführer der GTÜ, Gesellschaft für Technische Überwachung mbH. „Die Dunkelziffer liegt höher.“
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts („Capnetz” www.capnetz.de) stellen die größten Gefahrenquellen Privathaushalte mit knapp 47 Prozent und Hotels mit rund 30 Prozent dar. Sie werden mit knapp 21 Prozent von Krankenhäusern und Pflegeheimen gefolgt. „Man kann davon ausgehen, dass alte Leitungssysteme in 60 bis 70 Prozent der Fälle die Ursache für eine mangelhafter Wasserqualität sind“, so Günther Kirsten, Bundesfachbereichsleiter für Technische Gebäudeausrüstung (TGA). „Daher empfiehlt die GTÜ dringend die flächendeckende Überprüfung von Trinkwasser-Installationen in öffentlichen Gebäuden – insbesondere in Hochrisikobereichen wie Krankenhäusern und Altenpflegestätten.“ Gegenwärtig sieht lediglich der Entwurf einer Novelle zur Trinkwasserverordnung mikrobiologische Untersuchungen für Trinkwasser-Installationen öffentlicher Gebäude vor. Der Bundesfachbereichsleiter des b.v.s. für TGA und die GTÜ raten, dass bei festgestelltem Legionellenbefall in bestehenden Gebäuden und bei Neubauten öffentlich bestellte und vereidigte sowie qualifizierte Sachverständige für Technische Gebäudeausrüstung den regel- und bedarfsgerechten Bau der Trinkwasser-Installation überprüfen und sicherstellen sollten, um mikrobakterielle Kontamination des Trinkwassers durch Legionellen zu verhindern. In Bestandsbauten sollten generell die Rohrleitungsanlagen nach den derzeit anerkannten Regeln der Technik umgebaut werden. Ein Bestandsschutz für bestehende Anlagen gibt es nicht. Als erste präventive Maßnahme sollten Hygienespülanlagen eingebaut werden, welche die Trinkwasserrohrleitungen in zuvor festgelegten Zeitabständen durchspülen und so Stagnation in Rohrleitungsanlagen verhindern. Bei öffentlichen Gebäuden und Industriegebäuden, die über nasse Feuerlöschrohrleitungssysteme und Sprinkleranlagen verfügen, plädiert die GTÜ hingegen für die konsequente Umsetzung der vorgeschriebenen Trennung zwischen Trink- und Löschwasser über einen „freien Auslauf“ und für die Haftung der Betreiber im Falle von Nachlässigkeit.
Legionellen sind im Wasser lebende Bakterien. Bei Warmwassertemperaturen über 20 °C und bis 45 °C steigt die Vermehrungsrate von Legionellen enorm. Die Bakterien befallen dann die Lungen von Menschen, indem sie über zerstäubtes Wasser eingeatmet werden, und lösen insbesondere bei älteren und immungeschwächten Personen Husten, Fieber und später Lungenentzündung aus. Infektionsquellen sind häufig Klimaanlagen, Duschen, Whirlpools, Kühltürme und sonstige Nassbereiche in Schwimmbädern, Krankenhäusern, Hotels, Saunen, Sportclubs oder Privatwohnungen.
Ein Bundeskolloquium für Trinkwasser – Technik und Energieeffizienz für Wohn- und Industriegebäude findet am 10. September 2010 in Mannheim statt.
GTÜ – Gesellschaft für Technische Überwachung mbH:
Die GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung mbH) ist die größte Überwachungsorganisation freiberuflicher Sachverständiger in Deutschland. Die GTÜ, dahinter steht der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS), bietet Sachver-ständigenleistungen in den Bereichen Baubegleitung, Energieberatung, Qualitätsmanagement, Anlagensicherheit und Fahrzeuguntersuchungen an. Im Rahmen der Baudienstleistungen umfasst das Kompetenzfeld der GTÜ die Baubegleitende Qualitätsüberwachung (BQÜ), die Erstellung von Energieausweisen, Schadensgutachten sowie Bauabnahmen und Baubegutachtungen sowie einen technischen Immobiliencheck. Die für Baudienstleistungen eingesetzten GTÜ-Vertragspartner sind öffentlich bestellte und vereidigte sowie qualifizierte Bau- und TGA-Sachverständige mit besonderer Fachexpertise für die einzelnen Gewerke. Die Sachverständigenorganisation GTÜ verfügt über ein flächendeckendes, bundesweites Netz von Vertragspartnern.
www.gtue.de
GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH
Rainer de Biasi, Geschäftsführer
Vor dem Lauch 25
70567 Stuttgart
Tel.: 0711-97676-101
Fax: 0711-97676-109
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